Heilpraktiker Psychotherapie Kritik

Heilpraktiker Psychotherapie Kritik

Kritik an Ärzten / Psychotherapeuten ist nicht neu – meist kommen die kritischen Stimmen von unzufriedenen Patienten. Auffälliger Weise stammen die meisten Negativ-Bewertungen zur Heilpraktikertätigkeit nicht von enttäuschten Patienten sondern erscheinen mittels lancierter Beiträge in verschiedenen öffentlichen Medien; auffällig hinsichtlich Unsachlichkeit – zusätzlich angereichert mit Sarkasmus.

Hinter diesem Vorgehen stecken nicht selten medizinisch approbierte Berufsgruppen, denen das Berufsbild des Heilpraktikers aus verschiedenen Gründen schon lange ein Dorn im Auge ist.

Inhaltlich sachbezogene und faire Heilpraktiker Psychotherapie Kritik wäre wünschenswert

Eine verallgemeinerte Negativbeurteilung wäre gerechtfertigt, wenn Heilpraktiker in ihrer Tätigkeit weniger Verantwortung und Sorgfalt berücksichtigen würden als denn die approbierten Therapeutinnen und Therapeuten.

Wenn dies so wäre, hätte der Beruf des Heilpraktikers allerdings schon lange keine Akzeptanz mehr in der Bevölkerung. Das Gegenteil ist der Fall – obwohl der Patient die Therapie aus eigner Tasche bezahlen muss, da Heilpraktiker grundsätzlich nicht über die Pflichtkrankenkassen und nur eingeschränkt über private Krankenkassen abrechnen können.

Bei der meist unsachlichen Kritik bestimmter Interessenskreise wird weiterhin geflissentlich übersehen, dass viele tausende Heilpraktiker das deutsche Gesundheitssystem täglich im Bereich der Alternativmedizin/Komplementärmedizin unterstützen.

Heilpraktiker Psychotherapie haben z.B. für psychisch belastenden Menschen wesentlich schneller einen verfügbaren Therapieplatz, anstelle der bundesweit häufig bis über 6 Monate Wartezeiten bei approbierten, kassenzugelassenen Behandlern.

Durch sachlich fundierte, faire Kritik könnten – wie in allen Berufen – in Einzelfällen bestehende Mängel angesprochen, überprüft und geändert werden. Wenn hingegen der gesamte Berufsstand der Heilpraktiker, der seit über 70 Jahren in der Bevölkerung einen akzeptierten Platz hat, generell und grundsätzlich diskreditiert werden soll, sagt das doch eher etwas über die durchschaubaren Absichten der jeweiligen Verfasser aus.

Was sind die Hintergründe der Heilpraktiker Psychotherapie Kritik?

Das Heilpraktikergesetz ermöglicht in Deutschland eine staatlich legitimierte Therapieberechtigung durch das Gesundheitsamt ohne medizinisches Studium. Entsprechend eines Verwaltungsgerichtsurteils (BVerwG, 21.01.1993 – BVerwG 3 C 34.90) hat die Ausweitung der therapeutischen Tätigkeit auf die Psychotherapie (sektoraler Heilpraktiker für Psychotherapie) seit 1993 rechtliche Gültigkeit. Diese Gesetzesregelung wurde durch verschiedene weitere Verwaltungsgerichtsurteile über die Jahre immer wieder bestätigt.

Dieser Sachverhalt mutet erst mal seltsam an, da in jedem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf eine genau festgelegte praktisch-fachliche Kompetenz nachgewiesen werden muss. Im Bereich der Heilpraktikertätigkeit ist dies aus rechtlicher Sicht schwierig, da auch wissenschaftlich nicht fundierte Therapiemethoden aus der Alternativ- u. Komplementärmedizin ( https://de.wikipedia.org/wiki/Alternativmedizin) zugelassen sind und deren Wirksamkeit ist leider nicht umfassend verifizierbar. Da der Heilpraktiker sich, im Gegensatz zur Schulmedizin, überwiegend im Bereich der Alternativmedizin/Komplementärmedizin bewegt, nutzen dies die Kritiker gern  als Argument für die Entwertungsversuche. Hierbei werden die Heilerfolge des Heilpraktikers bei Patienten meist ignoriert bzw. als Placebo-Wirkung dargestellt.

Der rechtlich akzeptierte Zugang zur therapeutischen Tätigkeit über das Heilpraktikergesetz hat bei den universitär ausgebildeten Medizinern von Anfang an wenig Verständnis gefunden. Entsprechend vielfältig waren die Versuche diese alternative Möglichkeit rechtlich zu unterbinden bzw. negative Behauptungen in Umlauf zu bringen. Die meisten kritischen Stimmen kamen entsprechend aus dieser Berufsgruppe – bei vielen Patienten hat der Heilpraktikerberuf hingegen überwiegend ein gutes Image sowie Akzeptanz.

Staatliches Gutachten zur Heilpraktiker Psychotherapie Kritik

Im Rahmen dieser Problemkonstellation wurde am 21. April 2021 im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit ein Rechtsgutachten zum Heilpraktikerrecht von Prof. Dr. Christof Stock erstellt – siehe unter  https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Gesundheit/Abschlussberichte/Stock_Gutachten_Heilpraktikerrecht_bf.pdf

Zusammengefasstes Ergebnis: für die Abschaffung des Heilpraktikerberufs gibt es derzeit weder eine ausreichende Tatsachen noch eine Rechtsgrundlage.

Was unterscheidet den Heilpraktiker Psychotherapie grundlegend vom approbierten Psychotherapeuten:
  • Der Zugang zur HP-Erlaubnis hat geringe Grundanforderungen – nahezu jeder kann die Überprüfung beim Gesundheitsamt beantragen
  • Bei dieser Überprüfung durch den Amtsarzt soll sichergestellt werden, dass die Anwärterin/der Anwärter auf die Therapieerlaubnis eine richtige Diagnose erstellen kann, ihre/seine Grenzen im therapeutischen Handeln beachtet.
  • Entsprechend dürfen nur die Krankheitsbilder behandelt werden, für die eine psychotherapeutische Befähigung gegeben ist.
  • Die Ausbildungszeit ist gesetzlich nicht definiert, meist beträgt sie für Theorie und Praxis 2 -3 Jahre – bei den approbierten Therapeuten ist sie einige Jahre länger.
  • In der Wahl seiner Therapiemethoden ist der Heilpraktiker Psychotherapie weitgehend frei, d.h. er kann auch wissenschaftlich nicht anerkannte Methoden anwenden.
  • Die schriftliche Überprüfung dauert 55 Minuten und beinhaltet 28 Multiple Choice-Fragen / die mündliche Überprüfung dauert ca. 45 Minuten.
  • Die Nicht-Bestehensquote in Bezug auf Heilpraktikerprüfungen liegt bundesweit bei über 70 %.
  • Die kontinulierliche gesetzliche Fortbildungspflicht ist nur vage formuliert und kann daher eigenverantwortlich wahrgenommen werden.

 

Objektiv betrachtet ist anzunehmen, dass der approbierte Psychotherapeut aufgrund seiner längeren Ausbildung und klinischen Erfahrung für die Behandlung spezieller Störungsbilder der qualifiziertere Therapeut ist. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Heilpraktiker Psychotherapie für die Behandlung leichterer Störungsbilder weniger qualifiziert ist als der approbierte Psychotherapeut.

Speziell im Rahmen der Kurzzeit-Psychotherapie für leichtere psychische Störungen ist der Heilpraktiker Psychotherapie für das Gesundheitssystem wertvoll. Aufgrund des Ausschlusses der gesetzlichen Krankenkassenleistung bestehen keine monatelangen Wartezeiten und eine Behandlung ist zeitnah möglich – siehe weitere Infos unter Praxiskonzept Kurzzeittherapie. Viele Heilpraktiker Psychotherapie bilden sich kontinuierlich gezielt weiter und sind in diesem Fall den approbierten Therapiekollegen in etwa vergleichbar.

 

Die rechtlichen Hintergründe der Heilpraktikertätigkeit sind in den folgenden Linkverweisen zu den Original-Gesetzestexten detailliert nachzulesen.

Rechtliche Vorgaben auf Bundesebene:
Das Heilpraktikergesetz https://www.gesetze-im-internet.de/heilprg/BJNR002510939.html regelt in Deutschland den Erwerb der Therapieerlaubnis für jeden Bundesbürger außerhalb des universitären Berufsweges als Arzt bzw. psychologischer Psychotherapeut.

Die Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz  https://www.gesetze-im-internet.de/heilprgdv_1/BJNR002590939.html benennt die Voraussetzungen für die Anwendung.

Rechtliche Vorgaben auf Landesebene:
Zusätzlich zu den genannten rechtlichen Vorgaben auf Bundesebene gelten auf Landesebene zusätzliche Richtlinien zur Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz. Sie beziehen sich auf alle Einzelbereiche der Anmeldung zur Prüfung beim Gesundheitsamt sowie die gesetzlichen Details der Durchführung der Prüfung – siehe auch https://www.rv.hessenrecht.hessen.de/bshe/document/VVHE-VVHE000016965 .

Dieses deutsche Rechtskonstrukt hat bisher keine europäische Anerkennung. In der Schweiz existiert seit 2015  eine Erlaubnis nichtärztlicher Heilkunde – ähnlich dem deutschen Heilpraktikergesetz – in bestimmten Kantonen.

 

Weitere Informationen zum Thema finden Interessierte unter dem Link häufig gestellte Fragen.